Schwäbische Alb - Südrandweg (HW2) - Etappe 10
- Beate Christ
- 22. Juni 2025
- 5 Min. Lesezeit
Etappe 10 / Erbstetten-Zwiefalten
Heute verspricht es wieder ein heißer Tag zu werden. Nichtsdestotrotz machen wir uns auf die 10. Etappe des HW2. Heute gibt es viel zu entdecken und zu erkunden. Nach einem kurzen Aufstieg, der über die Erbstetter Tropfsteinhöhle (der Zugang ist beschränkt und erfordert eine Genehmigung) führt, erreichen wir die Burgruine Wartstein. Die Ruine Wartstein ist die Ruine einer Felsenburg auf 660 m an einem Felshang, 150 m über dem Tal der Großen Lauter. Im 12. Jh. wurde die Burg von den Herren von Wartenstein auf dem Gebiet der Swerzenhuntare erbaut, 1185 wurde ein „comes de Wartstein“ urkundlich erwähnt. Am 5. März 1392 verkaufte Heinrich von Wartstein die Burg mit sämtlichen Besitzungen an die Herzöge Stephan, Friedrich und Johann von Bayern, 1394 wurde die Burg ausgebaut. Am 18. Februar 1508 wurde die Ruine Eigentum des Hans Speth von Granheim und 1848 Eigentum der Gemeinde Erbstetten. 1924 fanden Instandsetzungsarbeiten statt, 1968–1970 erfolgten weitere Instandsetzungsarbeiten und der Anbau einer Wendeltreppe. Heute dient der Turm als Aussichtsturm am HW 2 und HW 5 des Schwäbischen Albvereins.

Von hier haben wir jetzt auch einen herrlichen Blick auf das Große Lautertal. Auf einem steilen Steig wandern wir hinab ins idyllische Lautertal, durch das ein bequemer Weg vorbei an vielen Felsenformationen (Vier Bayerbögen) und Höhlen (Heuscheuerle und die Ochsenlöcher) und dem Hoher Gießel Wasserfall führt. Die Strecke führt uns an der Ruine Maisenburg vorbei. Die Ruine Maisenburg ist die Ruine einer Höhenburg auf 620 m am Ende eines Plateaus über dem Lautertal. Die Burg wurde während des 12. Jhs von den Rittern von Maisenburg erbaut und 1268 als Castrum Maisenburg erstmals erwähnt. Außer den Herren von Maisenburg waren später die Herren von Gundelfingen Besitzer der Burg. Von 1764 bis 2003 ist das Anwesen im Besitz der Familie von Speth, nach 1820 ist die Burg als Wohnsitz aufgegeben worden und verfiel. Nach dem Verfall der Kernburg wurde die Vorburg zum Wohnen umgebaut und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. 1991 und 1992 wurde die Anlage großzügig saniert. 2003 wurde das Anwesen durch einen privaten Investor erworben. Der noch erhaltene Gutsteil (Vorburg) wurde bis Ende 2005 aufwendig saniert und zu Ferienwohnungen sowie zu einem Festsaal ausgebaut. Weiter geht es, jetzt leider in der prallen Sonne, Richtung Hayingen, vorbei an der Feriensiedlung Lauterdörfle.
In Hayingen, ein malerischer Ort, legten wir beim Bäcker eine kurze Rast ein. Dort ließen wir uns Kaffee und Gebäck gut schmecken.
Wir verlassen Hayingen in Richtung Glastal. Das Glastal ist ein vom Landratsamt Münsingen am 22. Juli 1958 durch Verordnung ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet. Einer Legende nach heißt das Glastal so, da das Wasser so glasklar dort wäre, aber der Name könnte auch von den Glashütten der Glasherstellung stammen. Im Tal hört man vom Alltagslärm so gut wie nichts. Dort gibt es paradiesische Plätze zum Verweilen. Sehr entspannend. Am Ende des wunderschönen Tals liegt das Schloss Ehrenfels.
Am Standort eines ehemaligen Klosters gelegen, erinnert Schloss Ehrenfels an einen großen Gutshof. Von 1735 bis 1740 ließ der Abt des Klosters Zwiefalten, Augustin Stegmüller, das Schloss als Sommerresidenz anstatt eines Meierhofes in einem einfachen Barockstil erbauen. Das Schloss liegt über dem 66 m langen Keller, der in den Stein geschlagen wurde. Dieser wurde als Vorratskeller des Klosters genutzt, da in Zwiefalten aufgrund des sumpfigen Bodens kein Keller gegraben werden konnte. Noch heute befindet sich über der Eingangstür zum Hof hin das Wappen des Abtes Stegmüllers. Die einstige Kapelle der Mönche ist ebenfalls noch erkennbar, sowie die ausgetretenen Böden im Erdgeschoss, insbesondere zur Küche der Mönche hin.
Roland Freiherr von Saint-André, als Eigentümer von Schloss Ehrenfels, Wimsen und Umgebung, lag es am Herzen das Anwesen von historischer Bedeutung zu erhalten. Im September 2015 verstorben, hat die Tochter und Erbin, Nicoletta Freifrau von Saint-André, im Sinne ihres Vaters dafür gesorgt, dass die „Schloss Ehrenfels Saint-André Stiftung“ genehmigt und errichtet wird. Die Stiftung bürgerlichen Rechtes mit Sitz auf Schloss Ehrenfels dient dem Zwecke der Förderung von Kunst, Kultur, und historischer Geschichte sowie dem Denkmalschutz und der Denkmalpflege. Es wird zudem für Veranstaltungen jeglicher Art benutzt und kann (nach Vereinbarung) besichtigt werden. Kurz darauf erreichten wir die Wimsener Höhle. Da wir uns ja immer akribisch auf jede Etappe vorbereiten ;-), haben wir uns im Vorfeld schon online Karten zur Besichtigung der Höhle gekauft. Was sehr gut war, denn alle Termine waren an diesem Samstag ausgebucht.
Die Wimsener Höhle – eigentlich zu Ehren des Herzogs Friedrich II. (des späteren Königs Friedrich I.), der die Höhle 1803 besuchte, Friedrichshöhle genannt – ist die einzige mit einem Wassergefährt befahrbare Wasserhöhle Deutschlands. Von den 1.331 Metern Länge der Höhle sind nicht einmal zehn Prozent für normale Besucher zugänglich, die auf einem Kahn in die Höhle gefahren werden, da sich etwa 70 Meter hinter dem Eingang die Höhlendecke bis zur Wasserfläche hinabsenkt. Der Rest der Ganghöhle kann nur mit Tauchausrüstung erkundet werden.
1447 wurde die Höhle erstmals urkundlich erwähnt.
1803 besuchte, wie bereits oben erwähnt, Kurfürst Friedrich I. die Höhle. Im selben Jahr bedankte sich Philipp Christian von Normann-Ehrenfels beim Kurfürsten für die Ernennung zum Minister und die Verleihung von Schloss Ehrenfels, wozu auch Wimsen und die Höhle gehörten, indem er über dem Höhleneingang eine Inschrift in lateinischen Versen anbringen ließ:
„Grata tuum praesens numen mea nympha salutat.
Laetior unda tibi nunc Friderice fluit.
MDCCCIII. IX Aug F.F. Normann.
Dankbar begrüßt den hohen Besuch die hier waltende Nymphe.
Fröhlicher fließet dir nun, Friedrich, die rauschende Ach.
9. August 1803 Friedrich Freiherr von Normann.
1910 wurde die Kalkhöhle bereits teilweise vermessen, doch erst ab 1959, nachdem es gelungen war, einen Siphon zu durchtauchen, konnten weitere Erkundungen und Messungen vorgenommen werden. Dabei spielte unter anderem Jochen Hasenmayer eine wichtige Rolle, der in den Jahren 1961 bis 1975 bis zu 400 m weit und 40 m tief in die Höhle vordringen konnte.
1995 wurden in der Höhle Tonscherben und Menschenknochen gefunden, die zumindest teilweise aus der späten Bronzezeit stammen. Damals war der Wasserstand tiefer und die Höhle trocken begehbar. Dies belegen auch die Tropfsteine, die nur im Trockenen entstehen, aber in über zwei Meter Wassertiefe gefunden wurden. Erst im zwölften Jahrhundert wurde der Bach kurz unterhalb des Höhlenausganges für die Wimsener Mühle aufgestaut.
Ohne viel Kraftaufwand geht es an der Zwiefaltener Ach die letzten fünf Kilometer nach Zwiefalten zum Etappenziel. Dort besichtigen wir noch die Klosterkirche und die Klosteranlage.
Das Kloster Zwiefalten (lat. Abbatia Duplices aquae; Patrozinium: BMV) ist eine ehemalige Benediktinerabtei. Die Anlage beherbergt heute eine psychiatrische Klinik. Die Klosterstiftung (1089) fällt in die Zeit nach dem Investiturstreit zwischen dem deutschen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Die beiden Gründer, die Grafen Kuno von Wülflingen und Liutold von Achalm, waren päpstliche Parteigänger gewesen und schufen sich in Zwiefalten eine standesgemäße Rückzugs- und Begräbnisstätte. Als Ratgeber bei dem Projekt wirkten unter anderem der ebenfalls papsttreue (und deswegen aus seiner Diözese vertriebene) Bischof Adalbero von Würzburg und Abt Wilhelm von Hirsau. In den Jahren 1095 bis 1139 erlebte das Kloster eine erste Blütezeit und entwickelte sich zu einem kulturellen und religiösen Zentrum der Region. Selbst Hildegard von Bingen hat dem Kloster einen Besuch abgestattet. Das Kloster hat eine wechselvolle Geschichte.
Im Rahmen der Säkularisation wurde das Kloster als eines der ersten bereits am 25. November 1802 aufgelöst. Der Besitz fiel an das 1806 zum Königreich erhobene Württemberg. Ab 1812 wurden die Gebäude als „königliche Landesirrenanstalt“ genutzt, später als psychiatrisches Landeskrankenhaus. Das heutige „Zentrum für Psychiatrie - Münsterklinik Zwiefalten“ wird seit 2003 durch das Württembergische Psychiatriemuseum ergänzt.
Den Abschluss eines gelungenen Tages hatten wir in der Zwiefaltener Brauereigaststätte bei einem leckeren Essen.

Strecke: 18, 9 km
Höhenmeter: 460 m
Fazit:
Landschaftlich sehr schöne Etappe mit vielen Burgen, Höhlen und Wasser. Auch genügend Einkehrmöglichkeiten sind vorhanden. Die Eintrittskarten der Wimsener Höhle sollten schon im Vorfeld gebucht werden, sonst kann es sein, dass es keine freien Plätze
mehr gibt.
Quellen:
Schwäbische Alb: Südrandweg (HW2) Etappe 9: von Erbstetten nach Zwiefalten - Wandern in Baden-Württemberg (Stand 22.06.2025)
Wimsener Höhle – Wikipedia (Stand 22.06.2025)
Glastal – Wikipedia (Stand 22.06.2025)
Zwiefalten – Wikipedia (Stand 22.06.2025)
Etappenbeschreibung HW2 | Schwäbischer Albverein – Wege (Stand 22.06.2025)
Glastal (Stand 22.06.2025)











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